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30 Sekunden



30 Sekunden liegen zwischen perfekt und ok, zwischen dem Photo des Lebens und dem Gibt's-genug-von, zwischen Euphorie und Frustration.

Diese Woche irgendwann, früh auf dem Weg zur Arbeit, erhaschte ich durch eine Lücke zwischen den Bäumen am Straßenrand den Blick auf 'mein' kleines Tal im Morgennebel. Der Moment war perfekt. Die Sonne ließ den Nebel strahlen, die einzelnen Ebenen der Landschaft zeichneten sich rasiermesserscharf vom Hintergrund ab. Ich Glückliche hatte die Kamera dabei. Nur leider war ich gerade eben am zum Anhalten passenden Waldweg vorbeigerauscht. Macht nix, nur ein paar Meter weiter oben ist eine Möglichkeit zum Wenden. Gas geben, bremsen, rausfahren, wenden und zurück. Es waren wirklich nur 30 Sekunden, bis ich wieder vor meinem Ausblick stand. Doch inzwischen hatte sich die Sonne etwas hinter die Wolken verzogen, der Nebel war dichter geworden, die ganze Szene fast nur noch Einheitsgrau. Kurz darauf kam die Sonne zwar wieder, aber inzwischen hatte der Nebel sich weiter verstärkt und die Strukturen weichgezeichnet. Das Photo, das ich dann doch gemacht habe, fängt einen sanften Spätfrühlingsmorgen ein und ich bin trotzdem froh, noch einmal angehalten zu haben. Aber dieser eine perfekte Moment lebt nur in meiner Erinnerung.